Pornosucht: Über die grundlegende Funktionsweise der Internetpornosucht…

Dieser Artikel fasst kurz die wichtigsten Konzepte(, die hinter der Pornosucht und den damit zusammenhängenden Phänomenen stehen,) zusammen. Dieser Artikel ist linktechnisch noch nicht fertiggestellt! Grafiken müssen noch eingefügt bzw. Urheberrechtsfragen hinsichtlich der Grafiken geklärt werden! (Grund: strenges deutsches Urheberrecht)

Quelle:  http://yourbrainonporn.com/doing-what-you-evolved-to-do

Was passiert, wenn man eine männliche Ratte in einen Käfig mit einer empfängnisbereiten, weiblichen Ratte gibt? Zuerst werden die beiden wild miteinander kopulieren (Sex haben, Anm. des Üb.). Im Lauf der Zeit jedoch wird die männliche Ratte langsam von dieser bestimmten weiblichen Ratte genug haben. Selbst wenn SIE mehr möchte, hat ER genug. Sobald man allerdings die ursprüngliche weibliche Ratte durch eine andere, neue weibliche Ratte ersetzt, kommt neues Leben in die männliche Ratte und sie wird „ritterhaft“ versuchen, die neue weibliche Ratte zu befruchten.
Man kann diesen Prozess mit (immer) neuen, weiblichen Ratten so lange wiederholen, bis die männliche Ratte „komplett fertig“ ist.
Diesen Effekt nennt man den Coolidge Effekt – er ist sozusagen (evolutionär gesehen) die „automatische Antwort“ auf neue Sexualpartner(innen). Wenn Sie süchtig nach Internetpornografie sein sollten, dann ist es dieser Effekt, der Sie danach süchtig gemacht hat.
Wir haben, ähnlich wie diese Laborratte, einen primitiven Mechanismus in unserem Gehirn eingebaut, der uns dazu drängt, die zweidimensionalen „Weibchen“ oder „Männchen“, die wir am Bildschirm sehen, zu „befruchten“. (Ein Hinweis: Der Coolidge Effekt tritt genauso bei Frauen auf. Die Studien zeigen, dass (menschliche) Frauen – wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt – genauso promiskuitiv sind wie (menschliche) Männer)
Die primitiven „Schaltkreise“ in unseren Gehirnen haben einen Einfluss auf unsere Gefühle, auf die Dinge, die wir anstreben, auf unsere impulsiven Handlungen und auf unsere unterbewusst ablaufenden Entscheidungsfindungsprozesse.
Diese Mechanismen erfüllen ihre Aufgabe so effizient, dass die Evolution offenbar keine Veranlassung gesehen hat, sie zu verändern, seit sich der Mensch zum Menschen entwickelt hat.

Mehr Dopamin, bitte

Bei uns Menschen, bei Ratten und bei allen Säugetieren entsteht das Verlangen nach Sexualität durch eine neurochemische Droge namens Dopamin. Das Dopamin ist der „Treibstoff“ für die „Zentrale des primitiven Gehirns“, den (so genannten) „Belohnungsschaltkreis“. Dort empfinden wir Verlangen und Genuss…und das ist (anatomisch gesehen) der Ort, an dem wir nach etwas süchtig werden.
Dieser urzeitliche Belohnungsschaltkreis drängt uns dazu, Dinge zu tun, die unserem Überleben dienen und dazu, unsere Gene zu verbreiten. An der Spitze der Dinge, die den „Belohnungsschaltkreis“ des Menschen aktivieren, stehen: Nahrung, Sexualität, Liebe, Freundschaft und „neue Reize“. Bei diesen Dingen handelt es sich – im Gegensatz zu süchtig machenden Chemikalien bzw. Drogen – um „natürliche Verstärker“.
Der evolutionäre Sinn von Dopamin besteht darin, den Menschen dazu zu bringen, das zu tun, was der Verbreitung der Gene (bzw. dem Erhalt der eigenen Art) dient. Je größer die berauschenden Empfindungen sind, die man bei etwas empfindet, desto mehr möchte man dies (noch einmal) tun. Wird dabei kein Dopamin ausgeschüttet, dann treten diese Empfindungen nicht auf und man ignoriert diese Sache dann ganz einfach. Schokoladekuchen und Eiscreme führen (bei den meisten Menschen) zu einem großen Dopaminausstoß. Bei Sellerie ist das eher nicht so sehr der Fall. Sexuelle Stimulation und der Orgasmus führen zum größten natürlichen Dopaminausstoß, der für unseren Belohungsschaltkreis zur Verfügung steht. Einer der Beinamen von Dopamin ist „das Suchtmolekül“.
Obwohl man Dopamin (stattdessen) (auch) als das „Genussmolekül“ bezeichnen könnte, ist das, technisch betrachtet, möglicherweise nicht ganz korrekt. Bei Dopamin geht es vor allem um das „Suchen und Finden“ von „Belohnungen“ und um die gespannte Erwartung, eine solche zu erhalten – es geht hier also um unsere Motivation und um unseren Antrieb. Obwohl dies umstritten ist, scheint es so zu sein, dass die (körperlich gesehen) letzte Stufe des Belohnungsmechanismus in der Ausschüttung von Opioiden besteht. Dopamin dreht sich also um das Wollen, und Opioide drehen sich um das Mögen. Eine Sucht könnte man sich also gewissermaßen so vorstellen, dass das „Wollen“ „Amok läuft“.

Die Jagd nach neuen Reizen, neuen Reizen und noch mehr neuen Reizen

Dopamin regt einen dazu an, nach neuen Reizen Ausschau zu halten. Ein neues Auto, ein neuer Kinofilm, der eben erst herausgekommen ist, das neueste „technische Spielzeug“…wir alle hängen (in irgendeiner Form) am Dopamin. Wie bei allen neuen Dingen verlieren diese Dinge aber – sobald die (damit verbundene) Dopaminausschüttung nachlässt – ihren Reiz.
Hier ist eine Erklärung, wie der Coolidge Effekt funktioniert: Der „Belohnungsschaltkreis“ der (männlichen) Ratte schüttet – im Hinblick auf die weibliche Ratte – (im Lauf der Zeit) immer weniger und weniger Dopamin aus, aber wenn eine neue weibliche Ratte ins Spiel kommt, dann kommt es zu einem erneuten, großen Dopaminausstoß. Klingt das irgendwie vertraut?

Es ist nicht besonders überraschend, dass hinsichtlich der Reaktion auf neue sexuelle Reize kein besonders großer Unterschied zwischen Ratten und Menschen besteht. Ein Beispiel dafür ist eine Studie australischer Forscher…diese haben Testpersonen mehrmals denselben erotischen Film vorgespielt und sowohl die Penisse als auch die subjektiven Berichte der Testpersonen haben (bei jeder neuen Vorführung) eine progressiv (fortschreitende) Verringerung ihrer sexuellen Erregung gezeigt. Mehr von „denselben alten Sachen“ wird im Lauf der Zeit langweilig. Sich an etwas zu gewöhnen ist gleichbedeutend mit einer Abnahme der Dopaminausschüttung.
Nach 18 Vorführungen – gerade dann, als die Testpersonen „dabei waren, einzuschlafen“ – zeigten die Forscher bei der 19. und 20. Vorführung neues sexuelles Material. Und bingo! Die Aufmerksamkeit der Zuschauer und ihrer Penisse war wieder voll vorhanden (Und ja, bei Frauen zeigte sich ein gleichartiger Effekt.)
Internetpornografie ist für den „Belohnungsschaltkreis“ besonders verlockend, weil sich ein neuer Reiz bzw. eine neue Szene nur „einen Klick weit weg“ befindet. Es könnte sich dabei um eine neue (digitale) „Partnerin“ handeln, um eine ungewöhnliche Sexszene, einen seltsamen sexuellen Akt oder – füllen Sie hier bitte die Leerstelle aus. Mit vielen offenen Tabs kann man alle 10 Minuten mehr neue „Sexpartner“ erleben als unsere Jäger-und-Sammler Vorfahren in ihrem ganzen Leben und das stundenlang.
Was macht unser Gehirn, wenn es unbegrenzten Zugang zu „superstimulierenden“ Belohnungen hat, auf die es evolutionär nicht vorbereitet ist? Einige „Gehirne“ werden sich letztendlich (an diese neuen Reize) anpassen, was (in der Folge) zu einem Suchtverhalten führen kann.
Ich kann das folgende gar nicht genug betonen – bei der Internetpornografiesucht handelt es sich nicht um eine „Sexsucht“ – sondern es handelt sich um eine Internetsucht. Obwohl Masturbation dabei sehr häufig eine Rolle spielt, handelt es sich bei dieser Sucht (vor allem) um eine Sucht nach „neuen Pixeln“ auf einem Bildschirm.

Drogen sind nicht die einzigen Dinge, die eine Sucht erzeugen können

Es ist Allgemeinwissen, dass Substanzen, die zu einer Erhöhung der Dopaminausschüttung führen – wie Alkohol und Kokain – süchtig machen können. Und doch entwickeln nur 10 bis 15% der Menschen oder der Ratten, die süchtig machende Drogen (ausgenommen Nikotin) konsumieren, jemals eine Sucht nach diesen Substanzen. Heißt das, dass der verbleibende „Rest von uns“ also sicher vor Süchten ist? Wenn man diese Frage bezogen auf den Missbrauch von (süchtig machenden) Substanzen stellt, dann könnte die Antwort möglicherweise „ja“ lauten.
Doch wenn es bei dieser Frage um den unbegrenzten Zugang auf „superstimulierende Versionen“ der natürlich vorkommenden Belohnungen geht, wie z. Bsp. auf Junk Food, oder selbst auf Computerspiele, dann lautet die Antwort „nein“, obwohl es zweifellos so ist, dass nicht jeder Nutzer dieser Dinge süchtig danach wird.
Der Grund, warum „besonders stimulierende“ Arten von Essen oder Sex uns süchtig machen können – selbst wenn wir ansonsten nicht anfällig für Süchte sind – ist, dass unser „Belohnungsschaltkreis“ uns evolutionär dazu antreibt, nach Essen zu suchen und uns um Sex zu bemühen…er treibt uns aber nicht dazu an, Drogen zu konsumieren. Von Internetpornografie und von den heutigen Nahrungsmitteln, von denen viele sehr viel Fett und Zucker enthalten (75% aller US-Amerikaner sind übergewichtig und 35% sind „fettleibig“ (schwer übergewichtig)) geht potenziell ein viel größeres Risiko aus, Menschen süchtig zu machen, als von Drogen. Diese „abnormalen“ Versionen natürlicher Belohnungen können den „Sättigungsmechanismus“ in unserem Gehirn – d.h. das Gefühl des „Genug-Habens“ – überwinden…und zwar deswegen, weil sehr kalorienreiches Essen und (überreichliche) „Befruchtungs-Gelegenheiten“ für unsere Gene die höchste Priorität haben.

Alle Süchte führen zu denselben, schwerwiegenden Gehirnveränderungen

Aktuelle Forschungen zeigen, dass bei „verhaltensbasierten“ Süchten (Eßsucht, Glücksspielsucht, Videospielsucht und Internetsucht) dieselben grundlegenden Mechanismen bei der Veränderung der Gehirnanatomie und –chemie auftreten wie bei den auf (extern zugeführten) Substanzen (Drogen, Anm. des Üb.) basierenden Süchten. Diese Gehirnveränderungen umfassen die folgenden Punkte:

1. Desensibilisierung (d.h. eine reduzierte Reaktion auf „Belohnungsreize”): neben anderen Veränderungen reduzieren die Dopamin und Dopamin D2 Rezeptoren im „Belohnungsschaltkreis“ des Gehirns bei einem Süchtigen ihre Sensibilität (Empfindlichkeit), was diesen (Belohnungsschaltkreis) weniger empfänglich für Genussreize macht, was wiederum dazu führt, dass dieser umso „hungriger“ nach Aktivitäten oder Substanzen aller Art wird, die das Dopaminniveau (wieder) steigern. Der Süchtige tendiert dann dazu, Interessen, Verhaltensweise und stimulierende Tätigkeiten, die ihm früher persönlich viel bedeuteten, zu vernachlässigen.
2. Sensibilisierung (das ist eine Art „Supergedächtnis für Genussreize“): Die (beim Süchtigen nunmehr) „anders verdrahteten“ Nervenverbindungen sorgen dafür, dass der „Belohnungsschaltkreis“ bei den klein(st)en, mit der Sucht in Verbindung stehenden Hinweisen oder Gedanken „in Fahrt kommt“. Dieses „pavlowsche“ (Super-)Gedächtnis macht die Sucht verlockender als (alle) andere(n) Aktivitäten im Leben des Süchtigen.
3. „Hypofrontalität“ (d.h. eine “Erosion der Willenskraft”): Veränderungen im „gray und white matter“ (der grauen bzw. weißen Gehirnmasse) des Frontallappens (des Gehirns) gehen (beim Süchtigen) mit einer reduzierten Kontrolle der eigenen (Willens-)Impulse und einer geschwächten Fähigkeit, die Konsequenzen (der eigenen Handlungen) vorauszusehen, einher.
4. Funktionsunfähige „Stress-Schaltkreise“ – Stress kann sehr leicht zu einem Rückfall (des Süchtigen in sein Suchtverhalten) führen.

Sind das die einzigen Gehirnveränderungen? Nein. Jeder einzelne dieser Faktoren (von denen jeder einzelne eine breit gefächerte Wirkung hat) steht für eine Vielzahl von schwerer aufspürbaren, mit der Sucht in Zusammenhang stehenden Veränderungen auf zellularer und chemischer Ebene – genauso wie ein (CT-)Scan eines Krebstumors die damit verbundenen, schwerer aufzuspürenden zellulären und chemischen Veränderungen nicht anzeigen kann.
Viele dieser schwerer aufzuspürenden Veränderungen können beim Menschen nicht genau nachgewiesen werden, weil die Technologien, die zum Nachweis erforderlich sind, viel zu invasiv sind (d.h. dass die Nutzung dieser Nachweismittel den Körper viel zu schwer negativ beeinträchtigen würde, Anm. des Üb.). Allerdings hat man diese Veränderungen bei Tieren nachgewiesen.

Die Drogensucht hat denselben „Hauptschalter“ wie die Sucht nach Essen oder Sex: diesen Hauptschalter nennt man „DeltaFosB“

Der „Hauptschalter“, der viele dieser mit Süchten in Verbindung stehenden Veränderungen auslöst, ist das Protein „DeltaFosB“. Die fortgesetzte „Überkonsumation“ von natürlichen Belohnungen (wie Sex, Zucker, sehr fetthaltigen Nahrungsmitteln, (oder auch) Aerobic-Übungen (etc.)) oder die laufende Verabreichung von so ziemlich jeder Droge führt dazu, dass sich „DeltaFosB“ im Belohnungsschaltkreis (des Gehirns) anreichert. Es ist wichtig, zu verstehen, dass süchtig machende Substanzen nur deswegen süchtig machen, weil diese Substanzen Mechanismen, die für natürliche Belohnungen bereits existieren, verstärken oder hemmen.
„DeltaFosB“s evolutionärer Zweck besteht darin, uns zu motivieren, uns etwas besonders dann (in großer Menge) zu holen, wenn es gerade reichlich vorhanden ist. Es ist also ein „Gelage“-Mechanismus für Essen und für die Reproduktion (Sex), der zu einer anderen Zeit und in einer anderen Umwelt sehr gut funktioniert hat. Mit dem Aufkommen von Dingen, deren „Belohnungsfaktor“ die natürlichen Belohnungen um ein Vielfaches übertrifft, führt aber genau dieser Mechanismus (traurigerweise) dazu, dass man Süchten wie der Sucht nach Junkfood oder der Sucht nach Internetpornografie so leicht zum Opfer fallen kann, wie man „eins-zwei-drei“ sagen kann. Das ist der Grund, warum die Amerikanische Gesellschaft für Suchtmedizin („American Society of Addiction Medicine“) eindeutig feststellt, dass es sich bei der Sucht nach Essen oder nach Sex um „echte Süchte“ handelt (siehe dazu tiefer).

Der „entführte“ „Gelage-Mechanismus“: Dopamin aktiviert „DeltaFosB“

Ein „Gelage-Mechanismus“ bietet einen evolutionären Vorteil in Situationen, wo die Wahrscheinlichkeit des Überlebens durch das Außerkraftsetzen des normalen Sättigungsmechanismus erhöht werden kann. Denken Sie dabei einfach an Wölfe, die es (für ihr Überleben) fertig bringen müssen, bis zu zwanzig Pfund (Fleisch) (ca. 9 Kilogramm) eines einzigen von ihnen getöteten Tieres auf einmal zu verdrücken. Oder denken Sie an unsere Vorfahren, die einige Pfund (einige Kilogramm) hochqualitative Nahrungsmittel mit vielen Kalorien extra mitführen mussten, um in schlechten Zeiten überleben zu können. Oder denken Sie an die Paarungszeit (in der Natur), wenn es einen ganzen Harem gibt, der befruchtet werden muss. In der Vergangenheit waren solche Gelegenheiten selten und sie gingen schnell vorbei.
Unsere Umwelt hat sich (im Vergleich zu früher) drastisch verändert. Das Internet bietet endlose Gelegenheiten zur „Paarung“, die unser primitives Gehirn als reale Gelegenheiten (bzw. als die Realität) wahrnimmt, und zwar weil wir diese „Gelegenheiten“ so aufregend finden. Wie jedes „gute Säugetier” versuchen auch wir „automatisch“, unsere Gene so „weit und breit“ wie nur möglich zu verstreuen…aber „unsere“ „Paarungszeit“ hört (aufgrund des Internet und der dort angebotenen „neuen Partnerinnen“, Anm. des Üb.) einfach niemals auf.
Klick, klick, klick – masturbieren – klick, klick, klick – masturbieren – klick, klick, klick. Tagein, Tagaus, und niemals gibt es dabei eine Pause. Das kann dazu führen, dass unser „Gelage-Mechanismus“ „außer Rand und Band gerät“. Die Evolution hat unser primitives Gehirn niemals auf diese „Nonstop-Stimulation“ vorbereitet.

Der übermäßige Konsum (von Essen oder Sex) ist für Ihr primitives Gehirn DAS Signal, dass Sie den „evolutionären Hauptgewinn“ bzw. „den evolutionären Jackpot“ geknackt haben. Bei einer fortgesetzten, täglichen Überkonsumation bewirkt das Dopamin, dass sich DeltaFosB im Gehirn anreichert, was wiederum zu Gehirnveränderungen führt, einschließlich zur Sensibilisierung.

Dieses Schema läuft also nach dem folgenden Muster ab:
Überkonsumation –> Dopamin –> DeltaFosB –> suchtbedingte Veränderungen (im Gehirn)

Die offensichtliche Frage lautet: „Wie viel ist zuviel“? Die Antwort ist einfach: „Genau die Menge an Stimulation, die (bei Ihnen persönlich) zu einer Anreicherung von DeltaFosB (im Gehirn) und zu den damit verbundenen Gehirnveränderungen führt“.
Deswegen sind solche Fragen wie: „Wie definiert man Pornografie?“ oder „Welches Ausmaß an Pornografienutzung bewirkt, dass derjenige oder diejenige süchtig wird?“ irreführend und irrelevant. Ersteres ist nämlich so, als würde man danach fragen, ob die (Gewinn-)spielsucht von den einarmigen Banditen oder von Blackjack ausgelöst wird. Und letzteres ist so, als würde man einen Freßsüchtigen fragen, wie viele Minuten er mit dem Essen verbringt.
Der Belohnungsschaltkreis weiß (gar) nicht, was Pornografie überhaupt ist. Dieser stellt – basierend auf der Menge des ausgeschütteten Dopamins und dessen Spitzenwerten – einfach nur „Stimulationsniveaus“ fest. In diesem Punkt geht es also um die Physiologie (des Körpers bzw. des Gehirns), und nicht um die Moral oder um die Frage, was „politisch gesehen“ „sexuell korrekt“ ist.

Sensibilisierung: Es bildet sich ein “pavlowsches Supergedächtnis”

Der Vorgang des Lernens, die Bildung des Gedächtnisses und die Ausbildung von Gewohnheiten lassen sich mit dem alten, aber wahren, (englischen) Spruch: „Nervenzellen, die gemeinsam feuern, verbinden sich miteinander“ („Nerve cells that fire together, wire together“) beschreiben.
Diese „Neuverdrahtung“, die hinter einer Sucht steckt, wird teilweise durch eine Überproduktion natürlicher Chemikalien (DeltaFosB) und teilweise durch die Verstärkung der Verbindung unter den Nervenzellen bewirkt, was es diesen (Nervenzellen) leichter macht, miteinander zu kommunizieren. Das geschieht bei jedem Lernvorgang. Man nennt diesen Vorgang „Neuroplastizität“. Je intensiver die Erfahrung ist, desto stärker sind die (Nerven-)Verbindungen, die dadurch gebildet werden. Und je stärker die (Nerven-)Verbindungen sind, desto leichter ist es für die elektrischen Signale, entlang dieser neuen Bahn(en) zu reisen.
Wenn gewohnheitsmäßiges Konsumieren von Pornografie zu „suchtbasierten“ Gehirnveränderungen geführt hat, dann haben Sie in Ihrem Gehirn eine Art „Wagenspur“ eingezogen. So, wie Wasser immer dort entlang fließt, wo der Widerstand am geringsten ist, machen das auch (Nerven-)Impulse und daher auch Gedanken. Es ist wie bei jeder Fähigkeit, je mehr man diese übt, desto besser wird man darin und desto leichter ist diese auszuüben. Bald schon geht diese „automatisch“ von der Hand, ohne dass man irgendwelche bewussten Gedanken daran verschwenden muss. Sie haben dann eine tiefe „Pornographie-Wagenspur“ in Ihr Gehirn eingraviert – eine sensibilisierte Nervenbahn.

Sensibilisierte Nervenbahnen kann man sich als eine Art „pavlowsche Konditionierung“ vorstellen – aber eine, die man einem „Superdoping“ unterzogen hat. Wenn diese sensibilisierten Nervenbahnen dann durch Gedanken oder (bestimmte) Auslöser aktiviert werden, dann bewirken diese, dass der Belohnungsschaltkreis übersteuert, was ein schwer zu ignorierendes Verlangen (nach dem entsprechenden Suchtmittel, Anm. des Üb.) auslöst.

Ein größerer Genuss führt zu weniger Genuss (Desensibilisierung)

So wie Sensibilisierung und das (dadurch ausgelöste) (Sucht-)Verlangen Sie dazu drängen, Pornografie zu konsumieren, führt die „Überstimulation“ des Belohnungsschaltkreises zu einer „lokalen Rebellion“. Die Nervenzellen, die mit Dopamin „bombardiert“ werden sagen (irgendwann) „genug ist genug“. Wenn jemand ständig schreit, dann halten Sie sich (irgendwann) die Ohren zu. Wenn die Nervenzellen, die das Dopamin produzieren, ständig damit weitermachen, mit Dopamin „um sich zu schmeissen“, dann halten sich die Nervenzellen, die für den Empfang des Dopamins zuständig sind, „irgendwann die Ohren zu“, und zwar indem sie die (Anzahl der) Dopamin (D2) Rezeptoren reduzieren.
Der Zyklus der Desensibilisierung ahmt dabei den Zyklus, der bei anderen Süchten auftritt, nach:
Gelage –> Verlangen –> reduzierte (Gehirn-)Antwort auf Belohnungen –> Verlangen –> das Gelage intensiviert sich –> eine weitere Verringerung der Menge von Dopamin und der (Anzahl der) Dopamin-Rezeptoren –> weitere Desensibilisierung und so weiter…
Und bald sind Sie dann süchtig nach Pornografie, und zwar weil es in Ihrer Nähe nichts gibt, das für Ihr Gehirn auch nur annähernd so interessant wäre (wie Pornos). Aus der „Perspektive Ihrer Gene“ ergibt das einen perfekten Sinn – und der besteht darin, Sie dazu zu bringen, mit Ihren Befruchtungsbemühungen wie ein Verrückter fortzufahren, um diese „wertvolle(n) Gelegenheit(en) zur Paarung“ zu nutzen, bevor diese verstreichen.
Sobald die Desensibilisierung Sie für „alltägliche Genüsse“ unempfänglich macht, führt die Sensibilisierung dazu, dass Ihr Gehirn „hyper-reaktiv“ auf alles wird, was (auch nur im Entferntesten) mit Ihrer Pornosucht in Verbindung steht. Im Lauf der Zeit kann dieser zweischneidige Mechanismus bewirken, dass Ihr Belohnungsschaltkreis beim kleinsten Hinweis auf Pornographie „heißläuft“, dass dieser aber weniger als „enthusiastisch“ ist, wenn ihm eine reale Gelegenheit (für Sex) geboten wird. Bei der Desensibilisierung handelt es sich nicht um einen Schaden (am Gehirn). Wenn Ihre (Nerven-)Zellen wollen würden, dann könnten diese die abgebauten Dopaminrezeptoren in ein paar Minuten neu bilden. Vielmehr ist es so, dass die Desensibilisierung ein „negatives Feedback-System“ darstellt, das (sich selbst) übersteuert.
Wenn diese zwei neuroplastischen Veränderungen sprechen könnten, dann würde die Desensibilisierung stöhnen: „Ich kann einfach keine Befriedigung kriegen“ (aufgrund der verringerten Dopamin-Signalweiterleitung), während der Sensibilisierungsmechanismus Sie in die Rippen stößt und Ihnen zuraunen würde: „He Kumpel(Ine), ich habe da genau das, was du brauchst!“…was genau das ist, was ursprünglich die Desensibilisierung ausgelöst hat.
Eine verminderte Reaktion (des Gehirns) auf Belohnungen (Desensibilisierung) in Verbindung mit einer „tief eingravierten“ Nervenbahn, die zu einer kurzfristigen Erleichterung (Sensibilisierung) führt, (indem sie ein Nachgeben gegenüber der Sucht bewirkt,) ist die Basis für alle Süchte.

Eskalation und Neuverdrahtung

Wenn sich eine „Toleranz“ (d.h. eine verminderte Reaktion auf einen Belohnungsreiz, Anm. des Autors) entwickelt, dann heißt das, dass der oder die Süchtige mehr von seiner oder ihrer „Droge“ braucht, um denselben Effekt (wie früher) zu erzielen. Diejenigen, die nach Internetpornografie schwer süchtig sind, bemerken manchmal (selbst), dass sie – wenn sich bei ihnen eine „Toleranz“ (Desensibilisierung) gegenüber den (Pornografie-)Vorlieben, die sie früher hatten, aufbaut – auf ihrer Suche nach intensiver sexueller Erregung „neue Wege gehen“. Viele suchen nach Dingen, die sie schockieren – vielleicht weil es ihrem Gehirn einen größeren „chemischen Kick“ bietet, wenn diese Dinge, zusätzlich zur sexuellen Erregung, „verboten“ oder angsteinflössend sind…wenigstens ist das eine bestimmte Zeit lang so(, dass dies ihrem Gehirn einen zusätzlichen chemischen Kick gibt, Anm. des Üb.).

Daher ist es nicht unüblich, dass man seine „Pornokarriere“ mit dem Bild(chen) einer berühmten „heißen Braut“ startet – nur um Monate (oder Jahre) später festzustellen, dass das Material, das man konsumiert, immer „stärker“ geworden ist. Halten Sie sich dabei vor Augen, dass ein Süchtiger, wenn er sich neuen „sexuellen Sparten“ zuwendet oder sich diesen länger (als bisher) widmet, dabei von der Desensibilisierung angetrieben wird. Seine (oder ihre) fundamentale sexuelle Orientierung hat sich wegen dieser Dinge nicht verändert.
Je intensiver die (mit der Pornografienutzung verbundenen) „Erlebnisse“ sind (Orgasmus in Verbindung mit einem Video, Anm. des Autors) – oder je mehr diese „Erlebnisse“ wiederholt werden – desto stärker werden auch die (damit verbundenen) Nervenbahnen. Jedes (weitere) „Erlebnis“ führt dazu, dass sich die neuen „sexuellen Vorlieben“ besser im Gehirn festsetzen. Und wenn sich die eigenen sexuellen Vorlieben verändert haben, dann hat sich auch das eigene Gehirn verändert.

Wie definiert man eine Sucht?

Viele Menschen glauben immer noch, dass (nur) Chemikalien – und nicht Verhaltensweisen wie das Konsumieren von Internetpornografie – süchtig machen können. Aber die Neurowissenschaftler, die sich mit den Auswirkungen einer Sucht auf das Gehirn befassen, wissen, dass das nicht so ist. Die Experten auf diesem Gebiet definieren eine Sucht auf viele verschiedene Arten. Ein einfaches Modell, das dabei hilft, eine Sucht besser zu verstehen, umfasst die folgenden vier Punkte:
1.) Der Süchtige empfindet einen Zwang, die Droge zu benutzen (wie Kokain oder Internetpornografie, Anm. des Üb.).
2.) Der Konsum der Droge wird fortgesetzt, obwohl sich (dadurch) nachteilige Wirkungen einstellen.
3.) Der Süchtige ist nicht in der Lage, die Nutzung (der Droge) (willentlich) zu kontrollieren.
4.) Der Süchtige empfindet ein starkes Verlangen nach der Droge – und zwar sowohl psychisch („geistig“) als auch physisch (körperlich).

Eine Sucht kann mit körperlicher Abhängigkeit und (körperlichen und geistigen, Anm. des Üb.) Entzugserscheinungen einhergehen. Viele der stark nach Internetpornografie-Süchtigen sind über die Stärke der Entzugserscheinungen, die bei ihnen auftreten, überrascht…die Stärke hat dabei mit der Stärke der Entzugserscheinungen, die bei Kokainsüchtigen oder Alkoholikern auftreten, gewisse Überschneidungspunkte. (Beantworten Sie diese Quizfragen (Link), um herauszufinden, ob sich bei Ihnen bereits ein Suchtprozess „im Gehirn breitmacht“ (bzw. bereits breitgemacht hat, Anm. des Üb.))
Beachten Sie, dass die „Amerikanische Gesellschaft für Suchtmedizin“ („The American Society for Addiction Medicine“) nach Jahrzehnten der Forschung die Bedeutung des folgenden, einfachen Konzeptes besonders hervorhebt: wenn ein Süchtiger die Zeichen, Symptome und Verhaltensweisen zeigt, die mit einer Sucht in Verbindung gebracht werden, dann ist das ein Anzeichen dafür, dass (bei diesem) die entsprechenden, (diesem Verhalten) zugrunde liegenden Gehirnveränderungen (bereits) stattgefunden haben.

Die Wissenschaft entwickelt sich weiter

Aus „politischen Gründen“ werden auf dem Gebiet der Hirnforschung keine Studien, bei denen Internetporno-Süchtige von „gewöhnlichen Internetsüchtigen“ isoliert (unterschieden, Anm. des Üb.) werden, durchgeführt (d.h. man macht zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied und steckt beide Gruppen einfach unterschiedslos in die Sparte „internetsüchtig“, Anm. des Üb.). Aber es wurden – nachdem dieser Artikel (hier) bereits geschrieben wurde –mehrere „Gehirn-Studien“ über „Internetsüchtige“ publiziert und alle diese Studien stellten (bei diesen Internetsüchtigen) dieselben Gehirnveränderungen fest, die auch bei Personen, die drogensüchtig (z. Bsp. kokainsüchtig, Anm. des Üb.) sind, vorhanden sind. Diese Studien trafen keine Unterscheidung dahingehend, welcher prozentuale Anteil der Forschungssubjekte (d.h. der von der Sucht betroffenen Testpersonen, Anm. des Üb.) süchtig nach Internetpornografie waren (und welcher Anteil „nur“ internetsüchtig war, Anm. des Üb.). Daraus jetzt aber den Schluss zu ziehen, dass eine intensive Nutzung von Internetpornografie das Gehirn nicht verändern könne, obwohl bereits bewiesen wurde, dass die Sucht nach Junkfood, nach Videospielen, die Gewinnspielsucht und die „einfache Internetsucht“ sehr wohl Veränderungen des Gehirns bewirken können, ist (also) unlogisch (lesen Sie zu diesem Thema den Link „Neue Internetsucht-Studien schließen Pornos mit ein (LINK)“).
Die „Amerikanische Gesellschaft für Suchtmedizin“ (ASAM) hat am 11. August 2011 – zehn Monate, nach dem ich (Gary Adams, Anm. des Üb.) diesen Einführungsartikel hier verfasst habe – den „letzten Nagel“ in den „Sarg der Pornodiskussion“ geschlagen. Die führenden Suchtexperten von ASAM veröffentlichten damals ihre neue Sucht-Definition, die alle anderen Definitionen „hinwegfegt“. Die neue Definition ist ein Echo der argumentativen Hauptpunkte, die auf der hier vorliegenden Internetseite (http://www.yourbrainonporn.com bzw. http://www.pornos-oder-leben.de) aufgeführt werden. Und zwar wird in der von ASAM vorgestellten Definition vor allem der Punkt betont, dass verhaltensbasierte (behaviorale) Süchte das Gehirn auf dieselben grundlegenden Arten verändern wie das Drogen (wie Kokain usw.) tun. In anderen Worten: Süchte sind eine (einzige) Erkrankung (bzw. ein einziger Zustand) – und nicht viele Erkrankungen (bzw. Zustände). Diese Definition beendet daher – in Bezug auf alle praktischen Fragen – die Debatte darüber, ob die Sucht nach Sex und die Sucht nach Pornos „reale Süchte“ sind oder nicht. ASAM hat explizit festgestellt, dass „verhaltensbasierte (behaviorale) sexuelle Süchte“ (englisch: „sexual behavioral addictions“) existieren und dass diese Süchte von denselben bedeutenden Gehirnveränderungen ausgelöst werden müssen, die man auch bei anderen, „substanzbasierten Süchten“ (wie Kokainsucht etc., Anm. des Üb.) feststellen kann. Tatsächlich wird man (aufgrund dieser Erkenntnisse) im überarbeiteten DSM-5 https://de.wikipedia.org/wiki/DSM-5 eine neu geschaffene (Sucht-)Kategorie namens „verhaltensbasierte Süchte“ einfügen.
Diejenigen, die beim Ausdruck „Internetpornografiesucht“ jetzt laut „Pseudowissenschaft!!!“ „bellen“, verfolgen also entweder eine „politische Agenda“ oder sind nicht über die der neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaft(en) informiert.

Wenn man den aktuellen Stand der neurowissenschaftlichen Suchtforschung zusammenfasst, ergibt sich folgendes Bild:
* Die umfassenden, über verhaltensbasierte Süchte angestellten Forschungen zeigen, dass es bei verhaltensbasierten Süchten zu denselben fundamentalen Gehirnveränderungen kommt wie bei Süchten nach (extern zugeführten) Chemikalien (wie Kokainsucht etc., Anm. des Üb.).
* Diejenigen Menschen, die Verhaltensweisen und Symptome zeigen, die mit Süchten (aller Art, Anm. des Üb.) in Zusammenhang stehen, weisen (entsprechende,) spezifische und messbare Veränderungen im Gehirn auf.
* Die Gehirnveränderungen, die man bei allen Süchten festgestellt hat, umfassen das Folgende: Sensibilisierung, Desensibilisierung, Hypofrontalität und eine „abnormale“ weiße Gehirnmasse („abnormal white matter“).
* Die mit Süchten in Verbindung stehenden Gehirnveränderungen (sowohl die verhaltensbasierten als auch die durch (extern zugeführte, Anm. des Üb.) chemische Stoffe ausgelösten Gehirnveränderungen) werden durch die Anreicherung von DeltaFosB (im Gehirn) bewirkt. Es gibt (also) einen „molekularen (Haupt-)Schalter“, der hier „am Werk“ ist, egal ob es um (chemische) Drogen, um Glücksspielsucht, Eßsucht oder um Internetpornografiesucht geht.
* Die Forschungen, die bis jetzt auf dem Gebiet der Gehirnforschung zum Thema Internetsucht (was die Internetpornografiesucht mit einschließt) vorgenommen wurden, enthüllen, dass es dabei zu allen, in den vorhergehenden Punkten genannten Gehirnveränderungen kommt.
* Die Ergebnisse zweier vor kurzem durchgeführter Studien zum Thema Internetsucht zeigen, dass sich bei einer Kontrollgruppe von ehemaligen Internetsüchtigen die schädlichen Gehirnveränderungen bereits zurückzubilden begonnen haben.
* Aktuelle Studien liefern Beweise dafür, dass Internetsucht offenbar Depressionen – und viele andere Symptome – verursachen kann.
* Die DSM-5 Feldstudien (plus LINK) kommen zu dem Schluss, dass die „hypersexuelle Störung“ („hypersexual disorder“) existiert.

Pseudowissenschaft hingegen ist es,
* wenn man alle wissenschaftlichen, klinischen und „anekdotenhaften“ („anecdotal“) Beweise ignoriert, die (allesamt) darauf hinweisen, dass Internetpornografiesucht eine „wirkliche Sucht“ ist.
* wenn man mehrere Gehirnstudien zum Thema Internetsucht ignoriert.
* wenn man einfach annimmt, dass die Zeichen, Symptome und Verhaltensweisen der Internetpornografiesucht das Ergebnis irgendeines nicht identifizierten Mechanismus seien, der nichts mit dem Thema Sucht zu tun habe.
* wenn man das Wort „Sucht“ mit dem Wort Zwang in Verbindung bringt, ohne irgendeine Forschung oder eine Hypothese darüber liefern zu können, inwiefern sich der „Zwang, (die Droge) X zu nutzen“ von „der Sucht (nach der Droge) X“ unterscheidet.
* wenn man die Wissenschaftler und Ärzte von ASAM, die „harte (wissenschaftliche) Daten“ über die Neurowissenschaft der Suchterkrankungen geliefert haben, ignoriert.
* wenn man argumentiert, dass Pornografie „schon seit Ewigkeiten“ existiert und dass es (daher) keinen Unterschied mache, ob man sich Höhlenmalereien zu dem Thema ansieht oder ob man sich durch 20 Browser-Tabs voller Hardcore-Pornografie von Szene zu Szene durchklickt.
* wenn man die Neurowissenschaft, die sich mit dem Gehirn von Jugendlichen beschäftigt, ignoriert, welche nachgewiesen hat, dass das Gehirn eines Erwachsenen weitaus beeinflussbarer und anfälliger für Süchte ist (als das Gehirn eines Erwachsenen, Anm. des Üb.) (lesen Sie dazu den Artikel – „Kinder, die süchtig nach (Internet-)Pornografie werden).
* wenn man vorgibt, dass Internetpornografiesucht die einzige und alleinige Ausnahme von der (hier geschilderten Sucht-)Regel darstellen müsse – sozusagen eine Sucht, die irgendwie nicht wirklich eine Sucht sei.

Was genau macht Internetpornografie so einzigartig?

Es ist eine offensichtliche Tatsache, dass der Zugang zur heutigen (Internet-)Pornografie sehr einfach ist, dass diese 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche verfügbar ist und man sie diskret und „privat“ in Anspruch nehmen kann. Die Art, wie diese genutzt wird, sorgt dafür, dass das Dopamin-Niveau über ungewöhnlich (oder abnormal) lange Zeiträume erhöht bleibt, was wiederum dazu führt, dass Internetpornografie eine einmalige Anziehungskraft (auf den Nutzer) ausübt und dass sie ein potenzielles Suchtrisiko darstellt (ein Hinweis – wir sprechen hier nicht (einmal) über die „psychischen Auswirkungen“, die das Betrachten jeder Art möglicher und „unmöglicher“ Hardcore-Pornografie auf junge Menschen hat).
Hilfeseiten für Pornosüchtige betonen oftmals, dass die süchtig machende Wirkung von Internetpornografie auf der Kombination von Masturbation und Orgasmus mit aufregender oder schockierenden visueller Stimulation beruht. Sicherlich ist es der Fall, dass beide Faktoren eine Rolle spielen, aber was Internetpornografie (von „gewöhnlicher Pornografie“ wie erotischen Magazinen etc., Anm. des Üb.) abhebt, ist
1.) Internetpornografie bietet eine extrem hohe Menge an „neuen Reizen“ – hunderte neue „Sexpartner(innen)“ pro Sitzung. Neue Reize wirken hoch stimulierend. Die heutige Internetpornografie hat nichts mehr „mit Vaters“ statischen, „endlichen“ Playboy-Heftchen zu tun. (Internetpornografie-)Konsumenten berichten oftmals, dass „echter Sex“ im Vergleich dazu langweilig wird.
2.) Im Gegensatz zu(r Sucht nach) Nahrungsmitteln und (substanzbasierten) Drogen – von denen man nur eine bestimmte Menge konsumieren kann – gibt es beim Konsum von Internetpornografie keine „physischen Begrenzungen“. Die natürlichen Sättigungsmechanismen des Gehirns werden nicht aktiviert, solange es nicht zum Orgasmus kommt. Und selbst wenn es zum Orgasmus kommt, kann sich der Nutzer einfach zu etwas aufregenderem weiterklicken, um erneut erregt zu werden.
3.) Die Sucht nach Lebensmitteln oder nach (substanzbasierten) Drogen kann nur dadurch ausgeweitet werden (welche Verhaltensweise übrigens ein Hinweis auf einen Suchtprozess ist), indem man mehr davon konsumiert. Internetpornografie kann man hingegen sowohl mit neuen (2D-)„Sexpartner(innen)“ als auch durch das Betrachten von neuen oder ungewöhnlichen sexuellen Spielarten ausweiten. Es ist relativ üblich, dass ein (Internetpornografie-)Nutzer immer extremere pornografische Inhalte konsumiert.
4.) Im Gegensatz zu Nahrungsmitteln und (extern zugeführten, substanzbasierten) Drogen löst Internetpornografie das natürliche „Abneigungs-System“ des Gehirns, auch bei sehr langer Stimulation, nicht aus. Dieses Abneigungssystem setzt dann ein, wenn man beispielsweise zu viel Kartoffelbrei isst…oder dann, wenn man zu viele (extern zugeführte,) substanzbasierte Drogen konsumiert, was dazu führt, dass deren Wirkung auf den eigenen Körper einem plötzlich nicht mehr zusagt.
5.) Das Alter, in dem die „Nutzer“ damit beginnen, Internetpornografie zu konsumieren. Das Gehirn eines Jugendlichen ist in einem Alter, in dem es seine maximale Dopaminproduktionsfähigkeit erreicht und indem es (außerdem) maximal „neuroplastisch“ ist, was es überaus anfällig für Süchte und für die (damit verbundene) „Neuverdrahtung“ macht. Junge Tiere (sozusagen also Tiere im Jugendalter, Anm. des Üb.) können als Reaktion auf (extern zugeführte, substanzbasierte) Drogen und auf natürliche Belohnungen höhere Mengen an DeltaFosB produzieren (als erwachsene Tiere).

Spielt Masturbation eine Rolle bei dieser Sucht (nach Internetpornografie)?
Vielleicht, aber nur auf eine indirekte Art und Weise. Häufiges Ejakulieren führt bei Tieren zu mehreren Veränderungen, die dazu führen, das Dopamin – und damit auch die Libido – mehrere Tage lang gehemmt wird. Unter normalen Umständen führt die „sexuelle Sättigung“ (die bei jeder Spezies anders definiert wird) dazu, dass die männlichen Vertreter einer Spezies sich für eine gewisse Zeit von sexueller Aktivität fernhalten. Sexuell gesättigte Internetpornografiekonsumenten können diese Hemmungsmechanismen jedoch dadurch überwinden, indem sie sich extremer(er) Pornografie zuwenden oder indem sie mehr Zeit damit verbringen, Internetpornografie zu betrachten. Beide Praktiken führen zu weiterem Dopaminausstoß (both goose dopamin). Sich über die „Ich-bin-fertig“-Signale des Körpers bzw. des Gehirns hinwegzusetzen, kann zur Anreicherung von DeltaFosB (im Gehirn) führen. Wie viele Männer (oder Frauen) würden sich wohl einfach eine (sexuelle) Auszeit nehmen, wenn es nicht die stetige Verlockung durch die Internetpornografie gäbe? Für eine vollständige Erklärung dieses Sachverhaltes klicken Sie bitte auf den Link: Löst häufiges Ejakulieren eine „Kater-Phase“ aus?

Viele Symptome – eine Ursache

Viele Menschen kommen mit einer Vielzahl verschiedener Symptome hierher auf diese Internetseite…und sie sind sich nicht immer sicher, ob diese Symptome etwas mit ihrer häufigen Internetpornografie-Nutzung zu tun haben oder nicht. Die Verwirrung über diese Frage ist verständlich, und zwar deswegen, weil die Symptome so unterschiedlich sind:
* Viele machen sich große Sorgen wegen ihrer zu immer extremeren Pornos eskalierenden Internetpornografienutzung.
Viele leiden unter:
* Verzögerter Ejakulation.
* „Kopulations-Impotenz“ (sie können ihren Penis zwar für Pornos zum Stehen bringen, aber nicht für (echte) Sexualpartnerinnen).
* Häufiger Masturbation, die aber nur mit geringer Befriedigung verbunden ist.
* (für sie selbst) uncharakteristischen, sich verschlimmernden sozialen Ängsten oder unter einem (sich verschlimmernden) Mangel an Selbstvertrauen.
* einer zunehmenden erektilen Dysfunktion, die selbst dann besteht, wenn sie extreme Pornografie konsumieren.
* sich verändernden „Pornovorlieben“, die nichts mit ihrer eigentlichen sexuellen Orientierung zu tun haben (so wie HOCD + Link).
* der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, extremer Rastlosigkeit oder Unruhe.
* Depressionen, Unruhezuständen und einem „Zustand der Beneblung“ („brain fog“).

Es gibt gute Gründe dafür, der Auffassung zu sein, dass diese Symptome die Folge von suchtbasierten Veränderungsprozessen im Gehirn darstellen…denn im „Belohnungsschaltkreis“ sind (Gehirn-)Strukturen enthalten, die einen Einfluss auf die Emotionen, die Stimmungen, die kognitiven Funktionen, auf das autonome Nervensystem, auf das endokrine System und auf die Reaktion(en) auf Stress haben. Viele der oben genannten Symptome – wie soziale Ängste, Depressionen, mangelnde Motivation, erektile Dysfunktion (ED) und Konzentrationsprobleme – konnte man (wissenschaftlicherseits, Anm. des Üb.) mit einer geringen Dopaminmenge und/oder mit einer geringen Anzahl oder veränderten D2 Rezeptoren in Verbindung bringen. Für detaillierte Erklärungen über die neurobiologischen Hintergründe der positiven Auswirkungen (der Enthaltsamkeit), von denen Ex-Internetpornografiekonsumenten berichten, klicken Sie bitte auf den Link Pornos, Masturbation und „Mojo“: Die neurowissenschaftliche Perspektive.

Das Gehirn wieder ins Gleichgewicht bringen

Wenn diese Phänomene der Grund für Ihre (persönlichen) Symptome sein sollten, dann ist es notwendig, dass Sie die Empfindlichkeit Ihres Belohnungsschaltkreises wiederherstellen, dass Sie die mit der Sucht in Verbindung stehenden Nervenbahnen schwächen und dass Sie die willentliche Kontrolle (über Ihre Suchtimpulse) wiedergewinnen. Wir nennen diesen Prozess „Rebooting“ („Neustarten“). Der beste Weg, um „neuzustarten“ (bzw. zu „rebooten“), ist es, Ihrem Gehirn eine Pause zu gönnen und es von jeder Form von künstlicher und intensiver sexueller Stimulation fernzuhalten – das umfasst (also) (Internet-)pornos, das Fantasieren über Pornos, die Teilnahme an (sexuellen) Chat-Räumen, das Lesen erotischer Geschichten, das Suchen nach (erotischen) Bildern im Internet etc. … und zwar so lange, bis Ihr Gehirn wieder in einen Zustand der „natürlichen Empfänglichkeit“ (für sexuelle Reize, Anm. des Üb.) „zurückspringt“.
Pornosüchtige stellen oft fest, dass dieser “Neustart”-Prozess einfacher und schneller durchführbar ist, wenn sie nicht mehr so oft masturbieren oder sie die Masturbation komplett einstellen. Bei dieser Enthaltsamkeit von Orgasmen und Masturbation handelt es sich nicht um einen „Lebensstil“; sondern es ist eine Methode, die temporär eingesetzt wird, um die Wiederherstellung (der normalen natürlichen sexuellen Empfänglichkeit) (schneller) zu erreichen und um (die Anzahl der) „Porno-Rückfälle“ zu reduzieren. Offensichtlicherweise ist es anfänglich sehr schwer, diesen Prozess durchzuführen. Das Gehirn kann dann (nämlich) nicht mehr länger mit dem intensiven, künstlich herbeigeführten „Dopamin-Schuss“ (und dem „Schuss“ aus anderen Neurochemikalien) rechnen, den die heftige (Internet-)Pornografienutzung auslöst.
Zusätzlich zum Effekt der Desensibilisierung verstärkt die Nutzung von (Internet-)Pornografie diejenigen Nervenverbindungen, die einen Zusammenhang zwischen der durch (Internet-)Pornografie bewirkten kurzfristigen Erleichterung und irgendeinem Auslöser, den Ihr Gehirn mit (Internet-)Pornografie assoziiert („Sensibilisierung“), herstellen. Solche Auslöser können z. Bsp. sein: (einfach nur) alleine zu Hause zu sein, oder sexuell aufreizende Bilder, oder auch Stress und Unruhe…diese Faktoren können die („nerventechnische“) „Porno-Wagenspur“ in Ihrem Gehirn aktivieren. Der einzige Weg, um diese unterbewussten Verbindungen zu schwächen, besteht darin, damit aufzuhören, die entsprechende(n) Nervenbahn(en) zu benutzen…und woanders nach einer „Stimmungsmedizin“ zu suchen. Wenn Sie (Internet-)Pornografie und pornografiebasierten Fantasien aus Ihrem Leben verbannen, führt das (nach einer gewissen Zeit) zu einer (langsamen) Rückbildung der (Porno-)Nervenverbindungen und schlussendlich werden die sensibilisierten Nervenbahnen und das (damit verbundene) Verlangen schwächer.
Die andere Hälfte des „Neuverdrahtungsprozesses“ besteht darin, die willentliche Kontrolle, die Ihnen zur Verfügung steht, zu verstärken…diese Kontrollfähigkeit „sitzt“ in ihrem frontalen Kortex (örtlich gesehen direkt hinter Ihrer Stirn). Die Fähigkeit, Risiken einzuschätzen, langfristige Pläne zu schmieden und (Verlangens-)Impulse zu kontrollieren, wird vom frontalen Kortex kontrolliert. Bei der Beschreibung, wie Süchte diese „Selbstkontroll-Schaltkreise“ schwächen und hemmen, wird der Ausdruck „Hypofrontalität“ oft gebraucht. Es braucht Zeit und man muss sich beharrlich bemühen (z. Bsp. in Form der Enthaltsamkeit und der damit verbundenen Willensanstrengung, Anm. des Üb.), um diese Schaltkreise wieder in einen Zustand „vollständiger Betriebsbereitschaft“ zurückzuversetzen.

Halten Sie sich immer vor Augen: Ihre Freiheit hängt davon ab, ob es Ihnen gelingt, Ihr Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wenn Sie das geschafft haben, dann können Sie sich (wieder) (frei) entscheiden, ob Sie lieber (wieder) die „Porno-Nervenbahnen“ benutzen, oder ob Sie andere Nervenbahnen nutzen, die Ihnen dabei helfen, diejenigen (positiven) Dinge zu erreichen, die Sie gerne erreichen möchten. Natürlich ist die Absolvierung des „Neustart-Prozesses“ keine Garantie dafür, dass Sie Internetpornografie in Zukunft „sicher nutzen“ können. Das menschliche Gehirn schwebt ständig in der Gefahr, dass irgendein intensiver Stimulus, dem es zu oft ausgesetzt wurde, eine Abwärtsspirale auslöst … und Ihr Gehirn hat (bereits) „sensibilisierte Porno-Nervenbahnen“, die zu jedem Zeitpunkt (wieder) reaktiviert werden können.
Viele Menschen haben es geschafft, mit ihrer (Internet-)Pornografienutzung aufzuhören und konnten ihr Leben wiedergewinnen. Und Sie können das auch!
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Für ein tieferes Verständnis der wissenschaftlichen Hintergründe der Internetpornografiesucht empfehle ich Ihnen das Lesen der folgenden Artikel, in der folgenden Reihenfolge:
* Berauschende Verhaltensweisen: 300 Vaginas = eine große Menge Dopamin: wir Menschen lassen uns von Belohnungen, die das normale Maß überschreiten, leicht süchtig machen
* Pornos, Neuheiten und der Coolidge Effekt: Ohne den Coolidge Effekt gäbe es keine Internetpornografie
* Pornos damals und heute: willkommen zum Gehirntraining: „Sind wir die erste Generation, die mit der linken Hand masturbiert?“
* Was passiert, wenn man zuviel ejakuliert? Das Ignorieren der sexuellen Sättigungsmechanismen kann Konsequenzen haben
* Warum sollte „Johnny“ denn nicht Pornos schauen, wenn er will? Das „sexuelle Training des Gehirns“ spielt eine große Rolle – und zwar besonders in der Jugend
* Warum finde ich Pornos aufregender als einen realen Sexualpartner? Die Neurowissenschaft zeigt, wie Internetpornografie den realen Sex übertrumpfen kann
* Können Sie Ihrem „Dödel“ vertrauen? Macht Internetpornografie die männliche Sexualität „fliessend“ (plastisch)?
* Neue Studien über Internetsucht schließen (Internet-)Pornos mit ein: Die Gehirnforschung über Internetsucht geht in eine einzige Richtung
* Pornos, Pseudowissenschaft und DeltaFosB: Können Sie die fünf üblichen Mythen über (Internet-)Pornografiesucht entdecken?
* Das „andere“ Pornografieexperiment: Was kann uns eine informelle Kontrollgruppe von ehemaligen (Internet-)Pornonutzern verraten?
* Pornos, Masturbation und das „Mojo“: Die neurowissenschaftliche Perspektive: Ehemalige (Internet-)Pornonutzer kriegen ihr „Mojo“ normalerweise zurück. Warum?
* Werfen Sie Ihre Lehrbücher weg: Ärzte definieren die verhaltensbasierten sexuellen Süchte neu: Die Amerikanische Gesellschaft für Suchtmedizin veröffentlicht ihre neue Suchtdefinition, die alle bisherigen (Suchtdefinitionen) „wegfegt“.


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