Was ich gerne gewusst hätte, BEVOR ich damit anfing, mir Pornos anzusehen

[Diesen Artikel habe ich mit freundlicher Genehmigung von Frau Lauren Dubinsky vom „Good Women Project“ übersetzt]

Was ich gerne gewusst hätte, BEVOR ich damit anfing, mir Pornos anzusehen

Hinweis der Herausgeberin: Ich entschied mich, unser Thema des Monats, Pornographie, mit einem kleinen Abschnitt aus meiner eigenen Geschichte zu beginnen. Für die meisten von uns (Frauen) gehört „das“ (die Pornos) immer noch zur „Männerwelt“, aber die Statistiken zeigen, dass 1/3 derjenigen, die sich Pornographie ansehen, Frauen sind. Kommt ins „Good Women Project“ (Anm. des Üb.: Dieser Blog und das Good Women Project sind natürlich in englischer Sprache)! Frauen, es ist Zeit, auch darüber zu sprechen und Licht an einen anderen dunklen Ort zu bringen. Wenn Ihr meinen persönlichen Bog lesen wollt, dieser befindet sich auf laurennicolelove.com/blog. Lauren

Pornographie ist ein “aufgeladenes” Thema und es ist ein Wort, das kaum jemals über die Lippen der meisten Frauen kommt. Ja, es gibt jetzt einen bestimmten Typus moderner Frauen, die sich das regelmäßig ansehen, darüber sprechen und darüber Witze reissen, aber die meisten von uns halten sich eher weiter davon entfernt, dieses Wort auszusprechen, anstatt sich tatsächlich von den eigentlichen Pornos fernzuhalten.

Als ich noch aufs Gymnasium ging, war die Pornographie in der langen Liste der „schlechten Dinge“, von denen ich nicht viel wusste – und leider auch in der Liste der Dinge, an denen ich „teilgenommen“ hatte. Unabhängig davon, warum ich mir das ansah, ist es bei uns allen (meist) das Gleiche: wir stoßen darauf, weil uns jemand anderer darauf aufmerksam macht. Und keiner von uns wusste, was er (sie) sich zu erwarten hat oder wie er (sie) damit umgehen sollte.

Später in meinem Leben erwischte ich mich dabei, wie ich mich daran erinnerte, wie ich „es“ dann und wann einige Minuten lang betrachtete und machte mir strikt aus reiner Langeweile darüber Gedanken, ob das wohl den großen, leeren Raum der Einsamkeit in mir, den ich spät am Abend empfand, ausfüllen könnte. Es gab keine Eltern mehr, vor denen ich das verstecken musste und niemanden, der sich meine Internet-Suchhistorie ansah. Pornographie war eine Sache, die ich auf die leichte Schulter nahm und ich wusste niemals genau, warum es denn schlecht sein sollte, besonders auch deswegen, weil ich ja „keinen wirklichen Sex“ dadurch hatte. Für mich war es einfach „etwas Schmutziges“ mit dem man wahrscheinlich einfach nichts zu tun haben sollte. Aber das „wahrscheinlich sollte“ kann sich niemals gegen Einsamkeit und Langeweile durchsetzen.

Ich bin nicht jemand, der eine “Suchtpersönlichkeit” hat. Ich meine, ich veranstalte schon manchmal ein „Gelage“ (und widme mich irgendeiner Sache also sehr intensiv), aber das war es dann auch schon wieder. Da ich das über mich wusste, nutzte ich das als eine Entschuldigung, wenn ich mir Pornographie ansah. Ich sah es mir einige Wochen lang jede Nacht an, dann hörte ich einige Wochen wieder komplett damit auf. Immer wieder fing ich damit an und hörte (längere Zeit) wieder damit auf. Sicherlich war ich deswegen nicht süchtig. Genauso wie mit dem Rauchen, wo ich ja auch nie süchtig aufs Nikotin wurde und genau so wie ich (Alkohol) trank und trotzdem nie zu einer Alkoholikerin wurde. Ich schaute mir das einfach nur an und ich konnte jederzeit, wann ich wollte, wieder damit aufhören. An mir wurde dadurch kein Schaden angerichtet, denn ich hatte ja immer noch die Kontrolle. [Dieser ganze Abschnitt ist natürlich selbstironisch gemeint, wie auch aus dem nächsten Absatz hervorgeht, Anm. des Üb.]

Falsch. Das Nikotin schädigte meine Lungen und der Alkohol verursachte einige beträchtliche Schäden an meiner Leber und in meinem persönlichen Leben. Nur weil wir nicht nach etwas süchtig sind (Anm. des Üb.: oder zu sein glauben) heißt das nicht, dass dadurch kein Schaden angerichtet wird. Selbst als ich (noch) nicht „süchtig“ nach den Pornos war, wollte ich (dennoch) immer mehr davon haben. Die Pornos existierten (für mich) als etwas, womit ich mir „garantiert meine Zeit ausfüllen“ konnte und womit ich mir (garantiert) eine „schöne/angenehme Zeit“ machen konnte…und wenn man sich eine (derartige) Stunde für sich selbst nimmt, dann ist das etwas, woran man sich (als „Zeitfülleraktivität“) leicht gewöhnt. Eine Aktivität, die einem eine „schwere Schlagseite“ beschert…und diese Schlagseite hat einen großen Einfluss darauf, was man wohl in der nächsten „schlechten Nacht“ so tun wird (Anm. des Üb.: nämlich sich also mit höherer Wahrscheinlichkeit wiederum Pornos anzusehen).

Ich wünschte, dass mich vor 10 Jahren irgendjemand über die Pornographie „aufgeklärt“ hätte. Um was es sich dabei handelt, was es anrichtet und in welche Bereiche des (eigenen) „Herzens“, des eigenen Verstandes und des eigenen Körpers es eindringt und was es dort in Männern und in Frauen zerstört.

Ich wünschte, dass mir irgendjemand gesagt hätte, dass Wissenschaftler bewiesen haben, dass Pornos das eigene Sexleben sabotieren (proven it sabotages your sex life).

Ich wünschte, dass mir irgendjemand erklärt hätte, wie Dopamin, die chemische Substanz, die jedes Mal freigesetzt wird, wenn man angenehme Gefühle erlebt, einen dazu antreibt, wiederum nach dem zu streben, was diese angenehmen Gefühle ursprünglich ausgelöst hat.

Ich wünschte, dass mir jemand erklärt hätte, dass die Art von Pornographie, von der man am meisten sexuell erregt wird, normalerweise mit einem schmerzvollen Ereignis im eigenen Leben in Verbindung steht und dass diese die Verletzung weiter vertieft.

Ich wünschte, dass mir jemand gesagt hätte, dass Pornos dazu führen, dass man Dinge, für die man emotional oder körperlich noch nicht bereit ist, in den Beziehungen mit Männern für normal hält und dass sie (die Pornos) einem das Gefühl geben, dass man („sextechnisch“) keine andere Wahl habe bzw. dass man keine Kontrolle über das eigene Sexleben habe, was ich im Nachhinein sehr bereut habe.

Ich wünschte, dass mir jemand gesagt hätte, dass ich (wegen der Pornos) damit beginnen würde, die Männer als (Sex-)Objekte zu betrachten, dass sich (wegen der Pornos) in meinem Geist sexuelle Bilder anhäufen würden und dass ich Tag und Nacht (nur noch) an Sex denken würde, bis zu einem Punkt, an dem ich mich auf nichts anderes mehr konzentrieren konnte.

Ich wünschte, dass mir jemand gesagt hätte, dass die Pornos mir das Gefühl geben würden, dass ich für Männer nicht mehr so wertvoll bin(, wie ich einst dachte) und dass sie mir jahrelang ein Gefühl der Unsicherheit im Schlafzimmer bescheren würden.

Ich wünschte, dass irgendjemand mir einen Hinweis darauf gegeben hätte, dass Pornos dazu führen, dass sich die eigene Sexualität vollständig unabhängig von realen, wirklichen Beziehungen etabliert (establishes your sexuality completely apart), was zu großen Problemen in der Intimität einer Beziehung mit einem Menschen, der einem etwas bedeutet, führt.

Ich wünschte, dass mir jemand erklärt hätte, was “sexuelle Magersucht (Anorexie)” ist und dass unzählige junge Männer nicht mehr fähig sind, (beim realen Sex mit einer Frau) eine Erektion zu kriegen, weil sie sich seit ihrem 14. Lebensjahr Pornos ansehen (Anm. des Üb.: oder noch früher, wie teils aus www.yourbrainonporn.com hervorgeht).

Ich wünschte, dass mir jemand gesagt hätte, dass die Pornos, die sich all die Männer ansehen, mit denen ich mich verabredet habe, diese davon abhalten, sich durch mich erregt zu fühlen (the porn they are watching is keeping them from being turned on by me), was letzten Endes unsere Beziehung zerstört hat.

Ich wünschte, dass mir jemand gesagt hätte, dass Dopamin und Oxytocin (dopamine and oxytocin), die durch das Betrachten bestimmter Arten von Pornografie freigesetzt werden, in mir bewirken würden, dass ich meine sexuelle Ausrichtung in Frage stellen würde, was mich wiederum (mehrere) Freundschaften gekostet hat.

Meine “Wunschliste” ist an diesem Punkt noch bei weitem nicht komplett. Letztendlich hätte ich mir einfach gewünscht, dass mir irgendjemand gesagt hätte, warum die Pornos so schädlich sind, anstatt es einfach auf eine Liste der Dinge zu setzen, über die man nicht spricht. Hätte ich gewusst, wie viel Schaden mir das zufügen würde, dann hätte ich mich von ihnen fern gehalten.

Wenn Du eine Frau bist, die sich Pornografie angesehen hat, oder die sich Pornografie (momentan) ansieht, sollst Du wissen, dass Studien zeigen, dass weibliche Zuseher inzwischen ein Drittel der gesamten Anzahl aller Pornokonsumenten darstellen. Das ist nicht länger ein Tabuthema und ich würde Dir gerne persönlich meine Erlaubnis dazu geben, über dieses Thema im Lauf des nächsten Monats auf dieser Internetseite zu sprechen. [Anm. des Üb.: Mit Internetseite ist an der Stelle das (englische) „Good Women Project“ gemeint, allerdings besteht auch auf dieser Seite hier die Möglichkeit, Kommentare anzubringen oder im Forum anonym (d.h. mittels Pseudonym) über die eigenen Erfahrungen mit diesen Dingen zu schreiben]

Morgen werde ich über das Thema Pornografie eine Liste von Informationsquellen, die für Männer und für Frauen gedacht sind, hier (auf der Seite des Good Women Project) schreiben. Wir werden für den Rest des Monats (hier beim Good Women Project) Material darüber zusammentragen. Später in diesem Monat werde ich wieder über Dinge schreiben, mit denen ich zu kämpfen hatte, seit ich mir Pornos angesehen habe, Dinge, die ich (aufgrund dieser Dinge) über mich selbst herausgefunden habe und werde über das Leben schreiben, das ich abseits der Pornos gefunden habe.


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